Einleitung
Was sind pflanzliche Urtinkturen?
Eine Heilpflanze muss zubereitet werden
Pflanzen sind unsere Lebensgrundlage. Deshalb sind auch Heilpflanzen die Grundlage des Heilens. Nicht alle Krankheiten können zwar mit pflanzlichen Heilmitteln allein behandelt werden, als Basis oder Abrundung jedoch sind sie Teil jeder ganzheitlichen Therapie. Denn nur ein pflanzliches Heilmittel vermag den Menschen gleichzeitig auf den drei Ebenen von Körper, Regulation und Psyche zu erfassen.
Immer mehr Menschen übernehmen Eigenverantwortung für ihre Gesundheit und informieren sich dazu über den Gebrauch von Heilpflanzen. Viele wissen, dass Johanniskraut Licht ins Gemüt bringt, Ginkgo das Gedächtnis verbessert, Weißdorn das Herz stärkt, Sonnenhut die Abwehr steigert, Mariendistel die Leber anregt oder Rosskastanie die Venendurchblutung fördert. Einige Heilpflanzen sind gar so tief in unserer Kultur verankert, dass fast jeder um die Wirkungen von Baldrian, Kamille und Wermut weiß. Karl Heinrich Waggerl hat ein humorvolles Gedicht über die Kamille geschrieben, die wohl als Inbegriff der Heilpflanze gilt.
In diesem Gedicht wird von der Kamille an sich gesprochen. Niemand würde aber bei Bauchweh einfach so eine Kamillenblüte essen. Um eine Heilpflanze anzuwenden, muss sie zuerst in eine geeignete Form gebracht, das heißt zubereitet werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Zubereitung. Jede vermag wichtige Eigenschaften der Pflanze zu vermitteln, aber keine wird allen Eigenschaften gerecht. Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte. Darauf wird in der Fachliteratur kaum eingegangen, deshalb versuchen wir, eine Differenzierung von verschiedenen Heilpflanzenzubereitungen vorzunehmen.
»Die Kraft, das Weh im Leib zu stillen, verlieh der Schöpfer den Kamillen. Sie blühn und warten unverzagt auf jemand, den das Bauchweh plagt. Der Mensch jedoch in seiner Pein glaubt nicht an das, was allgemein zu haben ist. Er schreit nach Pillen. Verschont mich, sagt er, mit Kamillen, um Gottes willen.«
Tee
Der Tee (Heißwasseraufguss) ist die bekannteste und einfachste Zubereitung. Die arzneilich wirksamen Pflanzenteile werden zur Haltbarmachung (und zur Entfaltung von Wirkprinzipien!) getrocknet, mit heißem Wasser übergossen und abgeseiht. Dieser Auszug besitzt neben einer relativ großen Wirkstoffmenge die heilenden Eigenschaften des heißen Wassers. Ein Tee wirkt in akuten Fällen rasch und ist vor allem bei jenen Krankheiten, die durch die Zuführung von Wärme und viel Flüssigkeit positiv beeinflusst werden können, die optimale Zubereitung.
Tinktur
Tinkturen sind wässrig-alkoholische Auszüge aus getrockneten Arzneipflanzen, die mit dem Fachbegriff Drogen – von getrocknet – bezeichnet werden. Das Verhältnis von Droge zu Tinktur ist meistens 1 Teil zu 5 Teilen. Tinkturen sind heute wenig gebräuchlich, viel häufiger werden Urtinkturen (siehe unten) angewandt.
Extrakt
Extrakte – dazu gehören Fluidextrakte (flüssig), Spissumextrakte (zähflüssig) und Trockenextrakte – sind Auszüge mit Alkohol-Wasser-Gemischen oder anderen Lösungsmitteln. Sie sind konzentrierter als Tinkturen.Das Verhältnis von Droge zu Extrakt reicht von 1 zu 2 bis 5 zu 1. Mit Extrakten kann eine große Menge an Wirkstoffen pro Dosis verabreicht werden. Die modernen, hochdosierten und standardisierten Arzneipflanzenpräparate in Form von Kapseln oder Dragees enthalten meistens Trockenextrakte. Sie sind bei jenen Patienten angezeigt, bei denen die Selbstheilungskräfte vorübergehend so stark geschwächt sind, dass sie auf normale komplementärmedizinische Therapien nicht mehr reagieren können. In den letzten Jahren sind immer häufiger Neben- und Wechselwirkungen von hochdosierten Extraktpräparaten bekannt geworden. Obwohl diese unerwünschten Wirkungen ausschließlich eine Folge einer zu hohen Dosis sind und bei normaler Dosis nicht auftreten, wirkt sich dies leider negativ auf den Ruf der Heilpflanze aus.
Ätherisches Öl
Ätherische Öle bestehen aus den flüchtigen fettlöslichen Stoffen der Pflanze und sind meistens die Träger des Geruchs. Sie werden in der Regel durch Wasserdampfdestillation oder andere Verfahren aus den frischen oder getrockneten Pflanzen gewonnen. Ätherische Öle sind unverzichtbare Bestandteile von Salben und anderen äußerlichen Anwendungsformen, in denen sie geruchliche und arzneiliche Funktionen ausüben. Häufig werden sie auch in der Aromatherapie eingesetzt.
Spagyrische Essenz
Spagyrische Essenzen gehen auf alchemistische Traditionen zurück und werden durch komplizierte Verfahren aus frischen oder getrockneten Pflanzen hergestellt. Es gibt zahlreiche mehr oder weniger unterschiedliche Herstellungsverfahren, bei denen einer oder mehrere der folgenden Schritte beteiligt sind: Fermentationsprozesse, Destillation, Veraschung. Bei der Herstellung von spagyrischen Essenzen erfährt die Pflanze eine Wesensveränderung, eine Art Vorverdauung. Dadurch wirken die spagyrischen Essenzen sehr mild und praktisch nebenwirkungsfrei. Spagyrische Essenzen sind hervorragende Mittel für die Selbstmedikation; mild und sicher in der Wirkung bei akuten und chronischen Erkrankungen.
Urtinktur
Urtinkturen (Bezeichnung mit dem lateinischen Pflanzennamen und dem Symbol Ø) werden meistens aus frischen Pflanzen – dies ist der wesentlichste Unterschied zu den Tinkturen – durch Extraktion mit Alkohol hergestellt. Zu Anfang der nachfolgenden Pflanzenbeschreibungen steht jeweils, aus welchem Teil der Pflanze sie hergestellt werden.
Stofflich sind die Urtinkturen etwa halb so konzentriert wie Tinkturen. Bei guter Qualität haben sie jedoch eine stärkere Wirkung als diese. Urtinkturen werden bei akuten und chronischen Erkrankungen eingesetzt und entfalten ihre Vorteile vor allem in Bezug zum Wesen der Pflanze (siehe weiter unten). Urtinkturen werden auch als Ausgangssubstanzen für die Herstellung von homöopathischen Verdünnungen eingesetzt.
Homöopathische Dilution
Homöopathische Dilutionen werden aus Urtinkturen durch stufenweise Verdünnung und Verschüttelung (im Verhältnis 1 zu 10 oder 1 zu 100 hergestellt). Bei tiefen Potenzen (bis etwa D12) bestehen etwa die gleichen Wirkungen und Anwendungsgebiete wie für die oben genannten Zubereitungen. Bei höheren Potenzen wird das Spektrum der Wirkungen, das Arzneimittelbild, differenzierter und umfassender. Es treten dann auch immer mehr psychische Symptome in den Vordergrund.
Diejenigen Pflanzen, die hauptsächlich als Tee, Extrakt oder Urtinktur angewandt werden, benutzt man meist in tiefen Potenzen. Höhere Potenzen werden in der Regel von giftigen Pflanzen oder sonst stark individualisierten Arzneipflanzen eingesetzt. Homöopathische Dilutionen haben eine tiefgreifende und nachhaltige Wirkung und werden je nach Potenz bei akuten und chronischen Krankheiten eingesetzt. Höhere Potenzen können zu Erstverschlimmerungen führen.
Die Eigenschaften von pflanzlichen Urtinkturen
Anwendung zur Behandlung von körperlichen und funktionellen Erkrankungen
Wie bereits erwähnt sind Urtinkturen meist Frischpflanzenpräparate. In Bezug auf ihre Anwendungsgebiete besteht eine weitgehende Übereinstimmung mit denjenigen von Tee, Extrakt, spagyrischer Essenz oder Tiefpotenz. Die in den nachfolgenden Pflanzenbeschreibungen aufgeführten Anwendungsgebiete geben in der Regel die aktuelle Kenntnis in stichwortartiger Form wieder. In vielen Büchern und Publikationen werden diese Informationen umfassender dargestellt. Es empfiehlt sich daher, die Anwendungsgebiete der Heilpflanzen durch weiteres Literaturstudium zu vertiefen. Der Schwerpunkt des vorliegenden Buchs liegt nicht auf der Anwendung bei körperlichen Indikationen, sondern auf der Darstellung des Wesens der Pflanzen. Dass dies im Zusammenhang mit Urtinkturen geschieht, hat einen besonderen Grund.
In den Urtinkturen kommt das Wesen der Pflanzen am besten zum Ausdruck
In keiner anderen Zubereitung kommt das Wesen der Heilpflanze so klar zum Ausdruck wie in einer Urtinktur. Voraussetzung ist aber die gute Qualität der Urtinktur.
Das Heilpflanzenwesen kommt vor allem im Geruch und im Geschmack der Zubereitung zum Ausdruck. (Die Beziehung zwischen Geruch und Wesen zeigt sich z. B. im französischen Begriff huiles essentielles für ätherische Öle, was »wesentliche Öle« bedeutet.) Allein die Urtinktur kann – eine gute Qualität vorausgesetzt – den Geruch und Geschmack der Pflanze in möglichst reiner Form enthalten. Beim ätherischen Öl tritt zwar der Geruch noch stärker hervor, aber der Geschmack fehlt. Bei der spagyrischen Essenz hat der Geruch aufgrund der Fermentation einen entscheidenden Wandel erfahren, und der Geschmack entspricht nicht der ursprünglichen Pflanze. Bei der homöopathischen Dilution ist aufgrund der großen Verdünnung das Aroma der Pflanze gänzlich abwesend. Beim Tee sind zwar die Geschmackskomponenten deutlich vorhanden, der Geruch ist hingegen aufgrund der Trocknung der Pflanze oft etwas flach. Beim Extrakt hat sich aufgrund der Konzentrierung bei der Herstellung der Geruch weitgehend verflüchtigt; überdies treten bei den üblichen Darreichungsformen (Dragees, Kapseln) Geruch und Geschmack gar nicht in Erscheinung.
Mit diesen Feststellungen sei nichts Negatives über die jeweiligen Zubereitungen gesagt. Wenn bei einer Therapie mit Heilpflanzen lediglich auf der körperlichen oder regulativen Ebene eingegriffen werden soll (siehe »Was ist das Wesen?«), stellt die Abwesenheit der Wesensaspekte keinen Mangel dar. Hat man jedoch das Bedürfnis, das Wesen der Pflanze zu berücksichtigen und den Patienten auch direkt auf der seelischen Ebene anzusprechen, ist die Urtinktur das Mittel der Wahl.
Sind Urtinkturen pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel?
Urtinkturen schaffen manchmal Verwirrung, weil sie je nach Standpunkt – dem des Arzneimittelrechts oder dem des Anwenders – zu den pflanzlichen beziehungsweise homöopathischen Arzneimitteln gezählt werden. Pflanzliche Arzneimittel enthalten gemäß Arzneimittelrecht und Behörden eine ausreichend hohe Menge Wirkstoffe, die analytisch nachgewiesen werden kann. Homöopathische Arzneimittel hingegen sind nicht über den Wirkstoffgehalt definiert, sondern durch die Herstellung nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB). Bei homöopathischen Verdünnungen liegen die Wirkstoffe in derart tiefer Konzentration vor, dass sich deren Analyse erübrigt. Bei den homöopathischen Arzneimitteln anerkennt man andere Wirkprinzipien als die Wirkstoffe (siehe »Information, das homöopathische Wirkprinzip«). Urtinkturen werden nach dem HAB hergestellt und sind Ausgangsstoffe für die Herstellung von homöopathischen Dilutionen. Deshalb zählen sie formal auch zu den homöopathischen Arzneimitteln, obwohl sie nicht verdünnt sind. Sie werden auf der Etikette als »Homöopathisches Arzneimittel« bezeichnet.
Anders ist der Standpunkt des Arztes oder Therapeuten. Ein pflanzliches Arzneimittel (im Fachbegriff Phytotherapeutikum oder Phytopharmakon) wird aufgrund von Indikationen und ein homöopathisches Arzneimittel nach dem Arzneimittelbild angewandt. Beispiel: Ein phytotherapeutisches Präparat aus Baldrian (Tee, Tinktur, Extrakt usw.) wird bei Schlafstörungen und Unruhezuständen angewandt, weil aufgrund von Erfahrungen oder Studien bekannt ist, dass Baldrian beruhigend wirkt. Ein homöopathisches Baldrianpräparat hingegen wird nach dem Arzneimittelbild angewandt. Damit bezeichnet man die Gesamtheit aller Symptome, die bei der Prüfung von Baldrian an gesunden Probanden auftreten können. Bei dieser Prüfung entstehen unter anderem auch Unruhezustände. Folglich kann auch ein homöopathisches Tiefpotenz-Baldrian-Präparat – wie ein phytotherapeutisches – bei Unruhezuständen eingesetzt werden. Es ist also letztlich eine Frage des Standpunkts und kommt im Endeffekt auf das Gleiche heraus. Der wesentliche Unterschied zwischen Phytotherapie und Homöopathie kommt erst bei den höheren Potenzen zum Tragen. Bei diesen treten immer differenziertere (auch seelische) Symptome und Modalitäten in den Vordergrund.
Urtinkturen und auch Tiefpotenzen werden meistens nach Indikationen angewendet. Deshalb rechnet der Anwender sie zu den pflanzlichen Arzneimitteln. Homöopathika im eigentlichen Sinne sind für den Therapeuten erst die höheren Potenzen.
Urtinkturen (und Tiefpotenzen) sind also von der Anwendung her pflanzliche, arzneimittelrechtlich hingegen homöopathische Arzneimittel.
Wesen und Qualität
Was ist das Wesen?
Das Wesen ist der verborgene Grund, der verborgene Sinn. Es ist die Kraft, die hinter der Erscheinung liegt. Das Wesen ist für die äußerlichen Sinne nicht wahrnehmbar. Es ist das, wovon Antoine de Saint-Exupéry mit den bekannten Worten spricht: »Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Das Herz ist ein inneres Sinnesorgan für den verborgenen Sinn hinter dem Äußeren.
Wenn sich der Mensch nur auf die äußeren Sinneseindrücke und den Verstand abstimmt, vermag er wohl die Gesetze der Materie zu erkennen, aber nicht die des Lebens. In Bezug zur Materie wird er zwar zu großartigen Leistungen befähigt, den Lebensgesetzen hingegen wird er oft Gewalt antun. Über und hinter den materiellen Gesetzen stehen höhere Gesetze. Sie leiten und beeinflussen die materiellen Zustände, ohne dabei die physikalischen Gesetze zu verletzen.
Die wesentlichen Lebensgesetze, der verborgene Grund und Sinn will von unseren Herzen erkannt werden, will zu unserer Seele sprechen. Der Mensch steht in seinem Entwicklungsweg vor der Aufgabe, Bewusstsein von den verborgenen Kräften und Gesetzen zu erwerben. Eine neue Welt öffnet sich, wenn er sich seiner eigenen Seele und des Wesens von Pflanzen, Tieren und Dingen bewusst wird. Diese Bewusstwerdung ist höchst aktuell. Das zeigt sich unter anderem in dem in den letzten Jahren erwachten großen Interesse vieler Menschen für psychologische Zusammenhänge.

Der verborgene Sinn spricht zu uns, aber nicht abstrakt, nicht medial, sondern konkret, über die sinnlich erfahrbaren Erscheinungen. Das wird oft vergessen, denn der Mensch neigt zum Polarisieren. Viele, die früher auf die Materie ausgerichtet waren und nun etwas von geistigen Prinzipien ahnen, verlegen ihren Schwerpunkt aufs Immaterielle. Sie betrachten dann die materiellen Erscheinungen als minderwertig. Aber der Mensch ist ein Erdenwesen. Er ist dazu berufen und befähigt, in der äußeren Erscheinung das dahinter liegende geistige Gesetz zu erkennen. Es ist unsere Chance, mit dem Herzen zu erkennen, dass alle äußeren Erscheinungen von einem inneren Gesetz weise geleitet sind. Sie sind der Ausdruck, die Offenbarung dieses Höheren. Die Lebensformen und äußerlichen Umstände sind wie die Spuren eines Menschen im Sand. Ein guter Spurenleser kann in den Abdrücken etwas über Herkunft, Geschwindigkeit, Rhythmus und Ziel des Strandläufers erkennen. Genauso müssen wir zu Spurenlesern werden. Haben wir nicht gelernt, in einem guten Buch das Wesentliche zwischen den Zeilen herauszulesen, in der Stimme und Gebärde eines Sprechers die hinter ihm wirkende wesentliche Kraft herauszuhören? Genauso kann unser Herz aus Gestalt, Farbe, Geruch und Geschmack einer Pflanze ihr Wesen erkennen.
In einem Heilmittel aus Pflanzen ist die Gestalt nicht mehr und die Farbe kaum mehr vorhanden. Zurück bleiben der Geruch und der Geschmack, die zu uns sprechen. Es ist eine wechselseitige Kommunikation. Wir erhalten über Geruch und Geschmack einen Zugang zum Wesen, und das Pflanzenwesen hat auch einen Zugang zu uns. Es will uns erreichen. Das Herz der natürlichen Dinge will unser Herz, unsere Seele erreichen.
Es ist die Bestimmung, der verborgene Sinn einer Heilpflanze, einen Gegenpol zum kranken Menschen (oder Tier) zu schaffen und damit wieder ein Gleichgewicht anzustreben. Die Pflanze sucht also die Krankheit und findet ihre höchste Bestimmung darin, wenn sie als Heilmittel Verwendung findet. Sie will auf der körperlichen Ebene die geschwächten Funktionen von Leber, Niere, Herz usw. unterstützen, sie will aber auch von uns bewusst wahrgenommen und assimiliert werden. Dieser Prozess geschieht bei einer zum Heilmittel veredelten Heilpflanze am besten über den Geruch und Geschmack. Da Geruch und Geschmack, wie gesagt, nur bei den Urtinkturen in voller Ausprägung vorhanden sein können, sind dies für unsere Zeit sehr wichtige Zubereitungen.
Nun könnte die Frage auftauchen: Es gibt auch Zubereitungen ohne Geruch und Geschmack, wie z. B. homöopathische Dilutionen (Hochpotenzen) oder Bachblüten oder andere energetische Präparate, die eindeutig auf die Psyche wirken. Steht das nicht im Widerspruch zu den obigen Aussagen? Es ist völlig richtig, dass auch die erwähnten Zubereitungen auf die Psyche wirken. Aber nicht unmittelbar über das Bewusstsein, denn das Bewusstsein wird durch die Sinneswahrnehmung ermöglicht und entzündet. Ohne Sinne hätten wir kein Bewusstsein. Die erwähnten Mittel wirken über die Regulation auf die Psyche. Die Regulation ist die leitende, höhere Instanz im Organismus, die alle biochemischen, stofflichen Prozesse reguliert. Sie steht auch in einer unmittelbaren Beziehung zur Psyche, sie vermittelt zwischen Körper und Psyche. Diese Mittel wirken also indirekt – über die Regulation – auf die Psyche, eine Urtinktur hingegen wirkt über die Sinneswahrnehmung und das Bewusstsein – also direkt – auf die Psyche. Durch die unmittelbare Einwirkung entsteht ein Gewinn für das Bewusstsein.
Dazu möge folgender Vergleich dienen: Wenn ein Mensch infolge einer schmerzlichen Erfahrung leidet und sich in tiefer Ratlosigkeit befindet, kann ihm auf verschiedene Arten geholfen werden. Er kann zum Beispiel Rat und Trost in einem Buch finden und sich damit wieder aufrichten. Auch positive Gedanken von nahestehenden Menschen können hilfreich sein. Wenn aber ein Freund physisch anwesend ist, mit seinem aufmunternden Lächeln, seiner wärmenden Berührung und seinen liebevollen Worten Rat und Trost spendet, dann fließt nicht nur eine Information, sondern auch eine Energie, mit der sich der Leidende viel wirkungsvoller aufrichten kann. Vor allem aber – und dies ist das Wesentliche – ist sein Bewusstsein, seine Seele mit Wärme beschenkt worden.
Bei der Anwendung von Urtinkturen in guter Qualität ist das Wesentliche die Übertragung einer Wärmequalität. Ein sinnlich wahrnehmbares pflanzliches Heilmittel vermag unser Bewusstsein, unsere Seele mit den heilenden Kräften der Natur zu durchwärmen.
Die Beziehung zwischen Wesen und Qualität
Für viele, die heute im Erwerbsleben stehen, ist der Begriff Qualität allgegenwärtig: Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, Qualitätskontrolle, ISO-Zertifizierung usw. Qualität kann auf verschiedenen Ebenen definiert werden. Grundsätzlich bezeichnet man mit Qualität die Gesamtheit aller wesentlichen Eigenschaften eines Produktes. Doch je nachdem, was man als wesentlich betrachtet, verlagert sich das Verständnis für Qualität. Bei den oben genannten Begriffen geht es um die Gewährung der äußerlichen Qualität, die durch chemische und physikalische Messmethoden geprüft werden kann. Es ist eine materiell definierte, mechanistisch-funktionale Qualität. Das ganze Augenmerk richtet sich in vielen Firmen auf diese äußerliche Qualität.
Es gibt jedoch noch eine innere Qualität, die nicht mit physikalischen und chemischen Methoden bestimmt werden kann. Die innere Qualität steht in direkter Beziehung zum Wesen. Durch die innere Qualität offenbart sich das Wesen. Die innere Qualität ist die Ausstrahlung eines Produkts, seine Lebendigkeit, seine innere Wärme. Über die innere Qualität kann das Bewusstsein eine Beziehung zum Wesen aufnehmen.
Ein Beispiel für den Unterschied zwischen innerer und äußerer Qualität: Ein Musikstück kann von den Interpreten völlig fehlerfrei und virtuos gespielt werden und doch seelenlos und leer sein. Es bewegt uns nicht, weil wir nur eine äußere Klanghülle mit wenig Inhalt wahrnehmen. Demgegenüber dürfen sich beseelt spielende Interpreten beim gleichen Stück durchaus einige kleine Fehler leisten, ohne dass dies als störend empfunden wird. Wir schwingen mit, und die Musik bewegt uns, weil die innere Kraft der Musik zwischen den Klängen ertönt. Daraus lässt sich entnehmen, dass das Äußere zwar ziemlich gut, aber nicht unbedingt perfekt sein muss. Viel wichtiger als Perfektion ist die innere Beseeltheit, denn nur diese vermittelt uns die wesentliche Botschaft der Musik.
Die innere Qualität einer Urtinktur drückt sich in der Reinheit von Geruch und Geschmack aus, das heißt darin, dass keine Elemente von Destruktion anwesend sind. Das ist nur dann möglich, wenn destruktive Herstellprozesse vermieden werden und die Hersteller fachkompetent und liebevoll arbeiten (ausführlicher dazu in »Die Herstellung von Urtinkturen mit innerer Qualität«).
Fachkompetenz bildet die Grundvoraussetzung für Qualität an sich, und liebevolle Arbeit bildet den Nährboden für die innere Qualität. Wenn die Qualität auf die äußerlichen Eigenschaften reduziert wird, gibt es einen Bruch zwischen innen und außen. Das innere Wesen kann dann nicht mehr nach außen dringen, das heißt, das Produkt verliert die Ausstrahlung, die Wärme. Durch den Verlust der inneren Qualität geht auch der Bezug der Mitarbeitenden, die Verbindung mit ihrem Erzeugnis, und die Motivation immer mehr verloren. In dem Maße, wie die Motivation der Mitarbeitenden verloren geht, beginnt die äußere Qualität zu bröckeln und muss mit einem enormen finanziellen und administrativen Aufwand einigermaßen aufrechterhalten werden. Die Arbeit degeneriert zu einem mechanischen Vorgang, der äußerst fehleranfällig wird und durch Qualitätssicherungsmaßnahmen gestützt werden muss. Darum ist Fachkompetenz und Liebe (Motivation, Identifikation, Sorgfalt) zu den Werken die beste Voraussetzung sowohl für die innere als auch für die äußere Qualität.
Bedeutung von innerer Qualität für den Menschen
Alle Produkte können eine Ausstrahlung, eine innere Qualität aufweisen. Je lebendiger die Rohstoffe (Heilpflanzen, Nahrungspflanzen, Naturtextilien, Holz, Natursteine, Metalle) eines Produkts sind, desto stärker kann seine Ausstrahlung sein. Auch ein Werk aus Holz (z.B. ein Tisch) hat – wenn kompetent und liebevoll hergestellt – eine Ausstrahlung. Je lebendiger die Rohstoffe, desto wichtiger ist die innere Qualität.
Welche Bedeutung hat es nun für den Menschen, sich mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu ernähren, sich mit Qualitätsprodukten zu umgeben und qualitativ hochwertige Zubereitungen aus Heilpflanzen zu sich zu nehmen?
Ein Mensch, der sich nicht um Produkte mit innerer Qualität kümmert, mag durchaus zu intellektuellen und körperlichen Höchstleistungen imstande sein. Aber der Sinn für das Wesentliche und für die echte Schönheit und Kunst geht verloren. Die Abwesenheit von Qualität führt zu einer Sklerotisierung in Körper und Seele, zu einer materialistischen Gesinnung. Die innere Qualität hingegen führt dem Menschen über die Sinne Lebens- und Bewusstseinskräfte zu. Sie führt zu einer »Durchwärmung« des Bewusstseins, zur Fähigkeit, Schönheit zu erkennen und zu erschaffen.
Herstellung und Qualität
Der Qualitätsbegriff von Wissenschaft und Behörden
Die naturwissenschaftliche Arzneipflanzenkunde und die Arzneimittelbehörden definieren die Qualität eines pflanzlichen Arzneimittels durch den Wirkstoffgehalt und die Abwesenheit von Verunreinigungen. Sie betrachten die Wirkstoffe als alleinige Ursache für die Wirksamkeit einer Heilpflanze und ihrer Zubereitung. Sie nehmen an, dass die Stärke der Wirkung folglich eine Frage der Menge und Resorbierbarkeit (der Art, wie die Wirkstoffe vom Körper aufgenommen werden) ist. Diese Vermutung, die davon ausgeht, dass nur die Materie und die heute bekannten physikalischen Kräfte real existieren, führt zwangsläufig zur Vorstellung, dass pflanzliche Arzneimittel mit einer großen Menge an Wirkstoffen besonders gut wirken. Arzneimittelfirmen, die diesen wissenschaftlichen Glauben teilen, haben daher die pflanzlichen Extrakte stark konzentriert (Trockenextrakte), um möglichst viel Wirkstoffe in ein Dragee oder eine Kapsel zu packen. Um die erntebedingten Wirkstoffschwankungen auszugleichen, werden die Extrakte auf einen konstanten Gehalt eingestellt, also normiert oder standardisiert. So sind die hochdosierten, standardisierten Arzneipflanzenpräparate entstanden, die im Markt sehr dominant auftreten.
Diesem wissenschaftlichen Glauben stehen folgende Tatsachen gegenüber:
- Mit der Einnahme von 20 bis 30 Tropfen einer Urtinktur pro Tag werden etwa 10- bis 20-mal weniger Wirkstoffe verabreicht als mit einem hochdosierten Präparat.
- Urtinkturen sind bewährte, wirksame pflanzliche Heilmittel. Ihre Wirkung ist eher stärker als die von hochdosierten Präparaten (der Autor hat dies in einer klinisch-pharmakologischen Studie gezeigt).
- Daraus folgt: Für die Wirksamkeit können nicht allein die Wirkstoffe verantwortlich sein.
Information, das homöopathische Wirkprinzip
Homöopathische Arzneimittel enthalten bekanntlich derart geringe Wirkstoffmengen, dass zwangsläufig ein immaterielles Wirkprinzip für ihre erwiesene Wirksamkeit postuliert werden muss. Man spricht dabei von Information. Es ist bekannt, dass wässrige Flüssigkeiten die Fähigkeit haben, biologische Informationen zu speichern. Es besteht die Hypothese, dass dieses Gedächtnis an die innere Struktur des Wassers gebunden ist. Im Rahmen des vorliegenden Buches kann darauf nicht näher eingegangen werden. Für Interessenten gibt es darüber umfangreiche Fachliteratur.
Information: auch in Urtinkturen ein wichtiges Wirkprinzip
Auch in Tinkturen und Urtinkturen ist die Information ein wesentliches Wirkprinzip. Man kann sagen, dass in allen pflanzlichen Heilmitteln, die nicht konzentriert sind, die Information wichtig ist. Sobald aber ein pflanzlicher Auszug eingedickt wird (wie das bei der Herstellung von Trockenextrakten durch Verdunsten der Flüssigkeit geschieht), geht das immaterielle Wirkprinzip, die Information, verloren. Mit der Information verhält es sich wie mit dem Geistigen, das in einer Polarität zum Materiellen steht: Das Geistige benötigt Freiraum, Weite, Offenheit. Je dichter, je materieller, je enger und geschlossener ein Zustand – dies bezieht sich auf viele Ebenen –, desto weniger Raum bleibt für das Geistige. Beispielsweise verliert ein Mensch, der sich völlig auf die Materie ausrichtet (auf Geld, Besitz und körperliche Gesundheit), mehr und mehr den Bezug zum Geistigen. Durch die Konzentrierung der materiellen Wirkstoffe gewinnt man einerseits zwar eine Verstärkung der materiell bedingten Wirkung, verliert aber andererseits das immaterielle Wirkprinzip. Wahrscheinlich vermag der Gewinn den Verlust nicht aufzuwiegen.
Urtinkturen hingegen beinhalten ein Gleichgewicht zwischen materiellen und immateriellen Wirkprinzipien.
Die Bedeutung der Zeit bei der Herstellung von innerer Qualität
Wesen, innere Qualität und Zeit stehen in einer engen Beziehung. Stellen wir uns folgende Situation vor: Wir wollen oder müssen verschiedene Aufgaben in einem Zeitraum erledigen, der viel zu knapp bemessen ist. Wir müssten in derselben Zeit also mehr bewältigen, als mit einem angemessenen Arbeitsrhythmus, mit der uns eigenen Geschwindigkeit, möglich ist. Wir jagen und hetzen und geraten in Stress. Achten wir nun auf unsere Mitte, können wir in unserer Brust ein beengendes Gefühl, eine Beklemmung wahrnehmen. Was hat das zu bedeuten? Unsere Seele kann nicht mehr in ihrem wesensgemäßen Rhythmus frei atmen, wir fühlen uns eingeengt. In einer solchen Situation können wir nicht mehr seelenvoll auf andere Menschen zugehen. Unser wahres Wesen ist also für die Mitmenschen nicht mehr so gut wahrnehmbar, wir haben an innerer Qualität verloren.
Was jeder einigermaßen bewusst lebende Mensch an sich selbst wahrnehmen kann, ist ein wichtiges Gesetz, das überall dort gilt, wo es um Leben und Wesen geht: Das Wesen, das Seelische offenbart sich im Rhythmus. Man denke an den Rhythmus des Herzschlags und der Atemzüge. Rhythmische Prozesse fördern die Qualität des Seelischen. Aber nur – und dies ist ganz wichtig –, wenn der Rhythmus innerhalb eines ganz bestimmten Bereichs liegt. Auch Arbeitsprozesse haben ihren Rhythmus. Sowohl ein zu schneller als auch ein zu langsamer Arbeitsrhythmus beeinträchtigt unsere Lebensqualität und die innere Qualität der erzeugten Produkte.
Nun leben wir nicht gerade in einer Zeit, in der man der Gefahr einer Verlangsamung ausgesetzt ist. Heute muss alles schnell gehen, denn man will möglichst viel in kurzer Zeit erledigen oder produzieren. Hinter all dem steht das Streben nach Vermehrung des Gewinns, denn »Zeit ist Geld«, sagt man. Je mehr aber die erzeugten Produkte einen lebendigen oder gar beseelten Aspekt aufweisen, desto kritischer wirken sich Beschleunigungstechnologien aus. Bei der Herstellung von Schrauben oder Nägeln beispielsweise ist nichts gegen Maschinen mit einer hohen Leistungsfähigkeit einzuwenden. Bei lebendigen Produkten wie Lebensmitteln oder Heilpflanzenzubereitungen hingegen führt jede Beschleunigungstechnologie zu einer Verminderung der inneren Qualität.
Es hat zu allen Zeiten Hersteller von erstklassigen Produkten gegeben, die um diese Zusammenhänge wussten. Ein guter Müller weiß, dass langsam (möglichst in einer Steinmühle) gemahlenes Getreide ein haltbareres, geschmackvolleres Mehl ergibt. Ein guter Bäcker weiß, dass durch langsames und intensives Kneten des Teigs und durch langsames Aufgehenlassen mit Hefe ohne Beschleunigungszusätze ein herrlich duftendes Brot entsteht. Ein Kellermeister, der Wein in höchster Qualität produziert, weiß, dass die Trauben nicht mit schnell laufenden Maschinen bearbeitet werden dürfen, die Vergärung nicht beschleunigt werden darf und der Wein eine Reifungszeit benötigt. Ein Käser weiß, dass Hartkäse eine bestimmte Reifungszeit benötigt. Ein Hersteller des echten Aceto balsamico tradizionale di Modena weiß, dass nur die jahrelange Reifung in Holzfässern zur wahren Qualität führt. Und ein Schreiner oder Zimmermann ist sich bewusst, dass nur mit langsam getrocknetem Holz, das heißt durch natürliche Lagerung ohne Beschleunigung durch künstliche Trocknung, hochwertige Produkte hergestellt werden können. Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden, denn es handelt sich um ein allgemein gültiges Lebensgesetz.
Und was wissen die Hersteller von pflanzlichen Heilmitteln?

Die Herstellung von Urtinkturen mit innerer Qualität
Das Wissen um die optimale Herstellung von pflanzlichen Urtinkturen ist weitgehend verloren gegangen. Die ursprüngliche Verarbeitung von Heilpflanzen zu Urtinkturen wurde von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, vorgegeben. Er hatte die Pflanzen von Hand geschnitten, im Mörser gestampft und verrieben, den Saft ausgepresst und mit Weingeist stabilisiert. Zu seiner Zeit hatte man keine andere Möglichkeit zum Zerkleinern der Pflanzen und Aufschließen der Zellen. Mit dem Aufkommen von Technologien zur Produktionsbeschleunigung wurde – wie bei der Herstellung von Lebens- und Genussmitteln – das traditionelle Handwerk mehr und mehr aufgegeben. So wurde zuerst das mühsame Mörsern durch den Fleischwolf ersetzt. Später wurde das Schneiden von Hand abgelöst durch schnell laufende Schneidemaschinen wie Cutter und Häcksler. Diese Maschinen führen zu einer derart intensiven Bearbeitung und Quetschung der Pflanzen, dass schon seit vielen Jahrzehnten auf den Fleischwolf verzichtet werden kann.
Im Gegensatz zu der Verarbeitung von Lebensmitteln, bei denen es analoge Entwicklungen gab, hat sich bei den Urtinkturen kein traditionelles Handwerk für Qualitätsprodukte erhalten. Bei den Lebens- und Genussmitteln sorgte der Genussaspekt für die Bewahrung von gutem Traditionshandwerk. Die Menschen wollen nicht auf guten Wein, guten Tee, gutes Brot, guten Honig usw. verzichten. Deshalb hat sich das Wissen über deren Herstellung erhalten. Bei den pflanzlichen Heilmitteln geht es jedoch nicht um den Genuss, sondern um die Heilwirkung. Mit der Entdeckung der pflanzlichen Wirkstoffe vergaß man, dass es auch unstoffliche Wirkprinzipien gibt. Man glaubte, die innere Qualität habe keine Bedeutung für die Heilwirkung. Deshalb gab es viele Jahrzehnte lang keine Herstellfirma, die bestrebt war, Urtinkturen von hoher innerer Qualität, das heißt mit einwandfreiem Geruch und Geschmack, zu produzieren und zu verkaufen. (Es gab zwar einzelne Firmen, die kleine Mengen hochwertiger Urtinkturen herstellten, die aber ausschließlich für die Produktion von homöopathischen Dilutionen verwendet werden.) Das Augenmerk lag vor allem auf den Wirkstoffen. Man verarbeitete die Pflanzen mit schnell laufenden Maschinen und ahnte nicht einmal, dass dies ein Problem sein könnte. Ein guter Beobachter hätte jedoch feststellen können, dass in dem Maße, wie die Maschinen vergrößert wurden, das heißt in dem Maße, wie die Produktion zur Einsparung von Zeit und Geld beschleunigt wurde, die Urtinkturen in ihrer Wirksamkeit nachließen. Als Kompensation für die Abschwächung der Wirksamkeit mussten die Urtinkturen immer höher dosiert werden. Von den ursprünglich 3 × 5 Tropfen stieg die Dosierung allmählich bis zu den heute üblichen 3 × 20 bis 30 Tropfen.
Diese Erfahrung – die leider nur wenige richtig zu interpretieren wussten – zeigt, dass die innere Qualität, die Wesenhaftigkeit, die in der Reinheit von Geruch und Geschmack zum Ausdruck kommt, ein Wirkprinzip ist. Sie ist nicht wie bei Lebens- und Genussmitteln ein Genussaspekt, da dieser bei Urtinkturen nicht relevant ist, sondern sie wirkt unmittelbar. Nebenbei bemerkt ist Qualität bei Lebensmitteln – in Maßen genossen – nicht nur ein Genuss, sondern auch Nahrung für die Seele (siehe »Bedeutung von innerer Qualität für den Menschen«). Fehlt die innere Qualität, kann das Wesen der Pflanze nicht mehr durch die Urtinktur sprechen, dann sind äußerst wichtige Heilfaktoren verloren gegangen, sodass der Verlust durch Erhöhung der Wirkstoffe wieder ausgeglichen werden muss. Es findet also eine Verlagerung von den lebensenergetischen zu den materiellen Wirkprinzipien statt. Dass durch die materielle Kompensation des Wesensverlustes die therapeutische Qualität des Mittels nicht wiederhergestellt werden kann, versteht sich von selbst. Mit therapeutischer Qualität ist nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische Wirkung eines Mittels gemeint.

Die wesensgemäße Herstellung von pflanzlichen Urtinkturen musste für unsere Zeit wieder neu entdeckt werden. Die Grundprinzipien waren bekannt: Schneiden von Hand und Mörsern. Aber es musste wieder neu entdeckt werden, dass diese Prozesse wirklich zu einer wesentlich besseren Qualität und damit zu einer besseren Wirksamkeit führen.
In den bisherigen Ausführungen wurden verschiedentlich die Nachteile der Technik für die innere Qualität erwähnt. Damit ist aber nichts Negatives über Technik an sich, sondern nur über Beschleunigungstechnologien gesagt. Der Faktor Zeit ist die elementare Bedingung für die Entstehung von innerer Qualität. Wenn die Technik eingesetzt wird, um mehr Zeit und Geld zu gewinnen, führt sie bei lebendigen Produkten zu einem wesentlichen Qualitätsverlust. Technik kann aber auch positiv, zur Steigerung der Qualität eingesetzt werden. Bestes Beispiel dafür ist die Conche. Rodolphe Lindt entdeckte 1879, dass durch tagelanges langsames Walzen der Kakaomasse in einem wannenartigen Behälter, das sogenannte Conchieren, eine Verbesserung des Aromas erreicht wird, die alles Bisherige in den Schatten stellte. Diese Entdeckung begründete den Weltruhm der Schweizer Schokolade.
Beim Betrachten der historischen Conchier-Maschine anlässlich eines Besuchs in der Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli kam mir seinerzeit die zündende Idee für die Heilpflanzenverarbeitung. So wurde eine Mörsermühle entwickelt, in der die Pflanzen noch schonender als von Hand verrieben werden konnten. Im Handmörser sind die Pflanzen der Luft ausgesetzt und können oxidieren. Die neue Mörsermühle vermahlt die Pflanzen im Schutz des zugefügten Alkohols. Nachdem die ersten Urtinkturen mit der Mörsermühle hergestellt worden waren, stellte man fest, dass mit ihnen wieder die ursprünglich tiefe Dosierung wie zu Zeiten Hahnemanns völlig ausreichend war. (In den Anfangszeiten nach Entdeckung des zentralen homöopathischen Prinzips, der Simile-Regel, hat Hahnemann mit Urtinkturen gearbeitet.)
Für die Herstellung von Urtinkturen mit einer hohen inneren Qualität gelten zusammengefasst folgende wichtige Kriterien (dabei werden sämtliche Qualitätskriterien von Wissenschaft und Arzneimittelbehörden bezüglich Rohstoffe, Hygiene, Produktionsräume und Dokumentation als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt):
- hochwertige Qualität der Rohstoffe (wenn möglich biologisch-dynamischer Anbau)
- keine Beschleunigungstechnologien (keine schnell laufenden Schneidemaschinen, Rührwerke, Pumpen, Zentrifugen usw.)
- Mörsern der Pflanzen möglichst in einem geschlossenen System
- Lagerung der fertigen Urtinkturen zur Reifung
Bei all diesen äußerlichen Kriterien darf nicht vergessen werden, dass die Liebe und Sorgfalt bei jedem Arbeitsschritt im Mittelpunkt stehen müssen. Dies ist vielleicht das wichtigste Qualitätskriterium, denn die Liebe zur Arbeit mit Pflanzen verleiht uns ein inneres Gespür für die Art und Weise, wie die Pflanze verarbeitet werden muss. Sie ist die Basis für die Kommunikation mit den Heilpflanzen und für die Erkenntnis ihres Wesens.
Anwendung von wesenhaften Urtinkturen
Unterschiedliche Qualitäten auf dem Markt
Die in den nachfolgenden Pflanzenbeschreibungen angegebenen Dosierungen gelten für Urtinkturen mit einer hohen inneren Qualität, die nach den vier oben dargelegten Kriterien hergestellt sind. Sie werden im Folgenden als wesenhafte Urtinkturen bezeichnet. Bei der Anwendung von handelsüblichen Urtinkturen müssen die Dosierungen mit dem Faktor 7 bis 10 multipliziert werden.
Der Apotheker oder Drogist ist darüber informiert, welche Firmen nach den erwähnten Kriterien arbeiten.

In den nachfolgenden Monografien sind auch einige Kombinationsmittel und Dilutionen enthalten. Es handelt sich dabei um Mischungen von Urtinkturen und Dilutionen, mit denen die Autoren gute Erfahrungen gemacht haben.
Anwendung gemäß phytotherapeutischen Indikationen
Die wesenhaften Urtinkturen können wie andere pflanzliche Arzneimittel bei den für die jeweiligen Pflanzen bekannten Indikationen eingesetzt werden. Darüber hinaus haben sich speziell für wesenhafte Urtinkturen bestimmte neue Anwendungen bewährt, die hier mit aufgenommen wurden. Eine stichwortartige Aufzählung der möglichen Indikationen findet sich in den Pflanzenbeschreibungen im Abschnitt »Anwendungsgebiete«.
Wesensgerechte Anwendung
Eine wesensgerechte Anwendung besteht nicht in jedem Fall darin, die seelischen Aspekte zu berücksichtigen. Viel wichtiger ist, dass durch das Studium der Wesensbeschreibung eine Beziehung zur Pflanze aufgenommen wird. Diese Beziehung schafft eine Verbindung, über die die heilenden Kräfte der Pflanze besser wirken können. Das Heilmittel wirkt dann nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern es führt auch zu einer Durchwärmung des Bewusstseins.
Wie muss man sich die psychische Wirkung der wesenhaften Urtinkturen vorstellen?
In den wesenhaften Urtinkturen kommt das Pflanzenwesen zum Ausdruck, was zu einer Wirkung auf der psychischen Ebene führen kann. Diese Wirkung ist aber niemals zwingend wie etwa bei den giftigen Arzneipflanzen. Das Pflanzenwesen von ungiftigen Pflanzen – ausschließlich solche werden zur Herstellung von wesenhaften Urtinkturen verwendet – ist immer sanft und schränkt den seelischen Freiraum nicht ein. Im Gegenteil. Die psychische Wirkung ist nicht gleich wie eine körperliche Wirkung zu verstehen. Körperliche Symptome können durch eine Urtinktur gelindert oder beseitigt werden, seelische Symptome nicht. Die Ursachen von Krankheiten liegen auf der psychischen Ebene, da jede Krankheit entweder eine individuelle oder eine kollektive seelisch-geistige Ursache hat. Eine seelische Krankheitsursache kann nicht mit einer Arznei beseitigt werden, sie wird höchstens verlagert. Psychische Konstitutionen oder eingefahrene Denk- und Gefühlsmuster, die krankmachend sind, können nur von innen her aufgelöst werden. Erstens müssen diese Ursachen (oft durch Leid und Schmerz) bewusst gemacht werden, und zweitens muss eine innere Bereitschaft zur Veränderung vorhanden sein. Das Wichtigste, was eine wesenhafte pflanzliche Arznei auszurichten vermag, ist die Unterstützung des Bewusstwerdungsprozesses und die Vermittlung von Trost, von seelischer Kraft. Durch die unterstützenden Wesenskräfte der Heilpflanze kann der innere Freiraum für eine gewisse Zeit vergrößert werden, wodurch sich ein neuer Heilungsimpuls ergeben kann.
Wirkliche Heilung setzt immer die zur Einsicht führende Arbeit an sich selbst voraus. Eine wesenhafte Urtinktur kann insofern zu diesem Bewusstwerdungsprozess beitragen, als sie die Wahrnehmungsfähigkeit für die der Krankheit zugrundeliegende psychische Problematik schärft. Im Übrigen hat sich gezeigt, dass wesenhafte Pflanzenpräparate durch ihren Reichtum an Lebenskraft auch die Intuition und das Vertrauen in die innereigenen Heilungskräfte unterstützen und fördern.
Zwei Möglichkeiten zur Anwendung von wesenhaften Urtinkturen
Es ergeben sich somit zwei Anwendungsmöglichkeiten für wesenhafte Urtinkturen:
- Anwendung ausschließlich gemäß den bekannten körperlichen Indikationen
- Anwendung gemäß den körperlichen Indikationen und dem Wesen der Pflanze
Die erste Anwendungsmöglichkeit ist die einfachste und häufigste. Es wird nach einer Heilpflanze gesucht, die die bestehenden körperlichen Symptome zu lindern vermag, ohne dass dabei das Wesen der Pflanze berücksichtigt wird. Dies ist sehr einfach und funktioniert in den meisten Fällen.
Bei der zweiten Anwendungsmöglichkeit wird zusätzlich das Wesen der Pflanze berücksichtigt. Dies ist vor allem dann angebracht, wenn es für die gleiche Indikation mehrere wesenhafte Urtinkturen gibt. Beispielsweise werden in den nachfolgenden Pflanzenbeschreibungen mehrere Mittel zur Unterstützung der Nierenfunktion aufgeführt: Welches ist das Mittel der Wahl? Hierbei kann die Kenntnis des Wesens der Pflanze weiterhelfen. Man wählt diejenige Pflanze, zu deren Wesen eine innere Beziehung besteht. Wichtig ist dabei zu bemerken, dass bei seelischen Angelegenheiten immer mit der Polarität gerechnet werden muss. Das heißt, eine Beziehung besteht nicht nur dann, wenn das Wesen einer Pflanze mit dem eigenen seelischen Zustand übereinstimmt, sondern auch dann, wenn man das intensive Gefühl hat, damit überhaupt nichts zu tun zu haben. Sowohl Anziehung als auch Abstoßung zeigen an, dass das Wesen der Pflanze eine Entsprechung in uns hat.
Wesenhafte Urtinkturen unterscheiden sich deutlich von Bachblüten, die vor allem bei seelischen Indikationen angewendet werden. Wesenhafte Urtinkturen sind Arzneimittel im eigentlichen Sinn und haben einen starken körperlichen Bezug. Sie sollten daher nicht ohne eine solche körperliche Indikation angewandt werden.
Es versteht sich von selbst, dass die Wirksamkeit einer wesenhaften Urtinktur bei der zweiten Anwendungsmöglichkeit am stärksten ist, in jenen Fällen also, in denen das Wesen und die Indikationen der Pflanze mit der psychischen Situation und den körperlichen Symptomen des Patienten übereinstimmen.
Dosierung
Die Bedeutung der richtigen Dosierung von wesenhaften Urtinkturen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wichtig ist, den Patienten bezüglich seiner Reaktionsfähigkeit gut einzuschätzen. Ist diese bekannt, kann entsprechend mit einer angemessenen Dosierung therapiert werden.
Die durchschnittliche Dosierung lautet: 3-mal 3 Tropfen täglich.
Die Tropfen werden am besten in etwas Wasser eingenommen und gut eingespeichelt.
Sie sollen etwa eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden. Werden mehrere Produkte eingenommen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Ideal ist die dreimal tägliche Einnahme jedes Mittels, wobei zwischen den einzelnen Mitteln jeweils ein Abstand von 15 Minuten eingehalten werden sollte. Falls dies aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, kann auch die volle Tagesdosis einmal täglich genommen werden. Die verschiedenen Mittel werden dann zu unterschiedlichen Tageszeiten eingenommen.
Ist die Reaktionsfähigkeit des Patienten gegenüber pflanzlichen Heilmitteln nicht bekannt, empfiehlt es sich, die Tropfen »einzuschleichen«. Dazu gibt man zuerst 3-mal 1 bis 2 Tropfen täglich und steigert – falls die erwünschte Wirkung noch nicht eingetreten ist – die Tropfenzahl jeweils nach einer Woche um einen Tropfen. In der dritten Woche ist man dann bei 3-mal 3 bis 4 Tropfen angelangt. Es ist auch möglich, die gesamte Tropfenzahl auf zwei Gaben pro Tag zu verteilen.
Kinder reagieren im Allgemeinen sehr gut und schnell auf die Gabe von pflanzlichen Arzneimitteln. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder zwischen zwei und zehn Jahren oft mit täglich 3-mal 1 Tropfen auskommen.
Auch bei Säuglingen können wesenhafte Urtinkturen erfolgreich eingesetzt werden. Um die Dosierung möglichst tief zu halten, geht man folgendermaßen vor: Man nimmt ein verschließbares Glas, füllt es mit Wasser und gibt einen Tropfen des Präparats hinein. Danach wird das Glas verschlossen und leicht geschwenkt. Daraus entnehme man dreimal täglich einen Löffel voll (keinen Metalllöffel verwenden), speichle es gut ein und leere den Rest weg. Dieser Vorgang wird täglich wiederholt.
Dauer der Einnahme
Bei akuten Störungen wie Husten, Halsschmerzen usw. soll die Tinktur eingenommen werden, bis die Symptome verschwinden.
Produkte zur Verbesserung der Durchblutung oder der Herztätigkeit, also Aesculus, Crataegus, Ginkgo oder auch Hypericum, sollen nicht länger als drei Monate täglich verabreicht werden. Man bedenke immer, dass Heilpflanzen die Selbstheilungskräfte, also den inneren Arzt aktivieren. Legt man nach drei Monaten eine Pause von rund drei Wochen ein, ist es möglich, in dieser Zeit zu beobachten, wie der Körper reagiert oder wie und ob er sich verändert hat. Anschließend kann die Einnahme fortgesetzt werden.
Bei Produkten, die sich durch ein intensives Aroma auszeichnen, soll man gut beobachten, ob einem dieses Aroma angenehm ist oder ob es einem widersteht. Widersteht es einem, soll ein Produkt gesucht werden, das in dieselbe Richtung wirkt, aber besser »auf der Zunge liegt«. Beispiel: Aesculus und Melilotus. Eine Ausnahme bilden Bitterpräparate wie Absinthium, Centaurium oder Gentiana, bei denen durch die Bitterkeit etwas überwunden wird.
Bei alten Menschen ist es oftmals nicht mehr möglich, den Körper nachhaltig anzuregen. Hier ist dann eine jahrelange Einnahme z. B. von Ginkgo angezeigt. Schlaffördernde Präparate sollten bei alten Menschen häufig gewechselt werden, um einer Gewöhnung vorzubeugen. Also zum Beispiel: erster Tag Lupulus, zweiter Tag Valeriana, dritter Tag Lavandula.
Erstverschlimmerungen und Überreaktionen
Homöopathische oder pflanzliche Arzneimittel können generell zu Erstverschlimmerungen führen. Das heißt, die bestehenden Symptome können vorübergehend verstärkt werden, oder es treten neue auf. Dies ist eine Begleiterscheinung der Anregung der Selbstheilungskräfte.
Stellt sich eine Erstverschlimmerung oder Überreaktion ein, soll das Produkt sofort abgesetzt werden. Nach einer Pause von drei bis vier Tagen kann die Therapie mit einer tieferen Dosis wieder aufgenommen werden.
Erstverschlimmerungen können gemildert oder verhindert werden, indem die Präparate »eingeschlichen« werden. Zeigt sich trotzdem eine Verschlechterung, ist von einer Überreaktion auszugehen. Dann kann man so vorgehen, wie unter »Dosierung« für Säuglinge beschrieben.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind bei der Einnahme von wesenhaften Urtinkturen nicht bekannt. (Ausnahmen sind bei den Pflanzenbeschreibungen erwähnt.)
Schwangerschaft und Stillzeit
Die wesenhaften Urtinkturen können in der angegebenen tiefen Dosis während der ganzen Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. (Ausnahmen sind bei den Pflanzenbeschreibungen erwähnt.) Da viele Frauen in der Schwangerschaft empfindlicher und durchlässiger reagieren, ist das »Einschleichen« der Produkte (siehe oben) von größerer Bedeutung.
Alkohol
Die tiefe Dosierung der wesenhaften Urtinkturen hat den Vorteil, dass damit sehr wenig Alkohol eingenommen wird. Die Alkoholmenge pro Dosis ist kleiner als jene, die zum Beispiel mit einem Schluck Traubensaft eingenommen wird.
Was tun, wenn keine Reaktion auftritt?
Dies ist auch dann möglich, wenn das Mittel richtig gewählt oder rein phytotherapeutisch eingesetzt wurde. Vielen Menschen fehlt die Reaktionsfähigkeit. Indem Leber oder/und Niere angeregt, das heißt während einigen Wochen entgiftet wird, kann das »Terrain« gereinigt und vorbereitet werden. Danach kann nochmals mit dem gewünschten Präparat eine Therapie begonnen werden. Beispiel: Taraxacum oder Carduus marianus 3-mal 3 Tropfen während drei Wochen einnehmen. Danach wird das gewählte Präparat einschleichend verabreicht.
Länger zurückliegende Schockerlebnisse sind oft eine Ursache für eine Reaktionsstarre. Sie können mit Geranium robertianum behandelt werden. Geranium robertianum kann auch als Reaktionsmittel eingesetzt oder »dazwischengeschaltet« werden. Auch Glechoma hederacea kann zur Vorbereitung des Körpers für die eigentliche Therapie oder bei mangelnder Reaktion eingesetzt werden.
Interaktion mit anderen Mitteln
Sie sind bei der Einnahme von wesenhaften Urtinkturen in tiefer Dosis in der Regel nicht zu befürchten. Wesenhafte Urtinkturen können auch gemeinsam mit anderen natürlichen oder chemischen Medikamenten eingenommen werden und beide werden in ihrer Wirksamkeit nicht beeinträchtigt.
Wichtig: Vor einer Operation sollen generell keine pflanzlichen Arzneimittel (außer homöopathischen Dilutionen) eingenommen werden, da dadurch die Wirkung der Narkosemittel beeinträchtigt werden könnte.